Die Mundhöhle entwickelt sich aus dem so genannten inneren und äußeren Keimblatt, aus denen während der Entstehung des Menschen ganz unterschiedliche Organsysteme hervorgehen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich hier eine ganze Reihe von Veränderungen einstellen kann, die im Rahmen von Allgemeinerkrankungen auftreten.
In manchen Ausrichtungen der Medizin – z.B. in der traditionellen chinesischen Medizin – wird dem Aussehen der Zunge eine große Bedeutung beigemessen. Wenn dies auch in unserer westlichen Medizin relativiert wird, gehört der Blick auf die Zunge zur normalen Diagnostik.
Ist sie besonders rot und ihre Oberfläche glatter als normal, kann sich dahinter eine Anämie oder auch ein Leberleiden verbergen. Ist sie zudem ausgeprägt trocken, kann dies auch auf eine Diabetes-Erkrankung schließen lassen.
Ein Zungenbelag wird heute weniger als „Spiegel des Magens“, sondern eher als „Spiegel der Ernährung“ betrachtet. Abriebarme Kost, sowie krankheitsbedingte Schonhaltungen können Ursachen sein.
Eine besondere Anfälligkeit für Entzündungen zeigen die Schleimhäute bei Diabetikern. Hier ist neben dem Stoffwechsel auch die Immunabwehr gestört. Diabetisch bedingte Störungen der normalen Speicheldrüsenfunktionen können das Bild noch dahingehend verändern, dass sich eine besonders ausgeprägte Mundtrockenheit einstellt. Nicht selten pfropft sich dann zusätzlich noch eine Pilzinfektion auf.
Andere endokrine (hormonelle) Erkrankungen zeigen sich durch verstärkte Pigmentierungen der Mundschleimhäute. Eine aufmerksame Beachtung dieser Pigmentvariante kann hier zu einer frühen Diagnose (Internist, Radiologe)und damit zur Verhinderung von Komplikationen führen.
Ein häufiges Zeichen von Veränderungen der Mundschleimhaut sind Bläschen und Blasen. Kleinere Bläschen, besonders auf Zahnfleisch und Gaumen sind meist virusbedingt (Herpes-Virus). Sie sind zwar schmerzhaft und sehr lästig, da sie immer wiederkommen, im Grunde jedoch harmlos. Umfangreichere „offene Stellen“, häufig auch im Bereich von Prothesenabdeckungen, dürfen nicht mit „Druckstellen“ verwechselt werden. Dahinter können sich Läsionen (Wunden) aus dem Bereich der „blasenbildenden Erkrankungen“ verbergen, die teilweise auch heute noch schwer zu behandelnde, nicht selten auch tödliche Erkrankungen sind. Auch Erkrankungen des Blutsystems (Purpura, Agranulozytose, Leukämie usw.) führen regelmäßig zu Veränderungen der Mundschleimhaut. Häufig finden sich dabei Gewebszunahme, Geschwüre und Blutungen als Symptome.
Eine große Vielzahl von Läsionen der Mundschleimhaut wird durch Arzneimittel hervorgerufen. Es gibt z.B. mehr als 400 viel verordnete Medikamente, die eine Mundtrockenheit auslösen. Andere Wirkstoffe führen zu Pigmentierungen, wiederum andere zu Wucherungen des Zahnfleischs (Hochdruckmittel, Mittel gegen Anfallsleiden). Im Einzelfall muss im Konsil zwischen Zahnarzt und behandelndem Hausarzt unter Einbeziehung des Patienten beraten werden, ob man die unerwünschten Nebenwirkungen in Kauf nimmt, das Medikament wechselt, falls dies möglich ist oder auf andere Weise für Abhilfe sorgt.
Ein zu dieser Gruppe gehörendes „neues“ Krankheitsbild sind Kiefernekrosen, die bei Patienten auftreten, die mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Bisphosphonate behandelt wurden. Bisphosphonate werden zur Behandlung der Folgen von Knochenveränderungen bei einigen bösartigen Tumoren eingesetzt, aber auch bei der Osteoporose. Nach zahnchirurgischen Eingriffen kann es bei diesen Patienten zu sehr schwer zu behandelnden Nekrosen des Kieferbereichs kommen.
Nicht selten lässt sich eine frühe, manchmal auch eine lebensrettende, Diagnose stellen, wenn man frühe Zeichen der Veränderungen beachtet. Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt tragen dazu bei, Schlimmeres zu verhindern. Hilfreich ist auch eine gelassene Selbstbeobachtung durch den Patienten, der – ohne in irgendeine Form der Hypochondrie zu verfallen – seinen eigenen Mund beachten und beobachten sollte.