Gibt es zahnfreundliche Süßwaren?

Äußerlich sind diese Produkte nur durch ihr Signet mit dem beschirmten, lachenden Backenzahn, der von der Aktion zahnfreundlich e. V. vergeben wird, zu erkennen. Sie stehen geschmacklich ihrer verwandten Süßware aus Zucker nicht nach, obwohl in ihnen der Zucker durch Polyole ersetzt ist. Letztere sind mit dem Zucker sehr nahe verwandt, werden aber von den Bakterien im Mund nicht in Säure abgebaut.

Wie erfolgt die Testung oder Bestätigung der Zahnfreundlichkeit eines solchen Produktes?
Die intraorale pH-Messung ist die einzige Methode, die eine schnelle und zuverlässige Messung der Säurekonzentration unter einem in der Mundhöhle natürlich entstandenen Zahnbelag ermöglicht. Dabei kann die Säurekonzentration im Zahnzwischenraum und in der Mundflüssigkeit während und nach Einnahme – durch Spülen, Lutschen oder Kauen von Süßigkeiten oder anderen Produkten – dynamisch verfolgt werden. Die pH-Messung verändert die Struktur und die Diffusionsverhältnisse im Zahnbelag nicht. Eine Säureneutralisation durch die Mundflüssigkeit oder durch entsprechende Produktzusätze kann während der pH-Aufzeichnung registriert werden.

Eine definitive Beurteilung der Stärke der kariesauslösenden Eigenschaften (Kariogenität) von getesteten Substanzen auf Grund der Resultate ist jedoch nicht möglich, da die individuelle Häufigkeit, mit der die fraglichen Substanzen von den Konsumenten eingenommen werden, unbekannt ist. Die Methode allein erlaubt weder die Voraussage einer hohen Kariogenität noch die Unterscheidung verschiedener Kariogenitätsgrade; sie ermöglicht jedoch die Voraussage einer Nicht-Kariogenität. Die Häufigkeit der individuellen Einnahme kann dann vernachlässigt werden, wenn die bakterielle (fermentative) Säurebildung im Zahnbelag einen bestimmten Grenzwert nicht unterschreitet.

Die Begutachtungen dienen der Abklärung, ob Fertigprodukte oder deren Bestandteile in ihrer marktreifen Form durch die Mundhöhlenbakterien verstoffwechselt werden können und deshalb während und nach ihrem Genuss zu einer kritischen Ansäuerung im Zahnbelag führen. Ist dies nicht der Fall, können die Produkte als „zahnschonend“ oder „zahnfreundlich” signiert werden.

Kurzfristige Ansäuerung des Zahnbelages und der Mundflüssigkeit durch die den Produkten aus Konservierungsgründen und zur Aromaverbesserung beigemengten Säuren werden ebenfalls aufgezeichnet. Zum Nachweis der ausschließlichen Ansäuerung der Mundflüssigkeit, unter Ausschluss des Zuckereffektes auf den Zahnbelag, dient die Erosionsmessung an einer sauberen, belagfreien Elektrode. Falls diätetische Säuren den pH der Mundflüssigkeit während und kurz nach dem Genuss des Testproduktes senken, wird die Säure-Ionenkonzentration berechnet. Im Fall eines hohen Säuregehaltes der Süßware kann das Produkt trotz fehlender fermentativer Wirkung von vergärbarem Zucker wegen der Gefahr der Auflösung von Zahnschmelz nicht als ”zahnfreundlich” bezeichnet werden.

Prof. Dr. Dr. Lutz Stößer, Friedrich-Schiller-Universität, Jena

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