Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.
Schöne, gesunde Zähne bis ins hohe Alter – mit den vielfältigen Möglichkeiten der Zahnmedizin muss das kein Wunschtraum mehr bleiben. Dem Zahnarzt stehen heute nicht nur moderne Behandlungs-, sondern auch eine Vielzahl von neuen Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Dies ist gerade bei der Früherkennung von Entzündungen des Zahnbettes, der so genannten Parodontitis, sehr wichtig. Bei Zahnbetterkrankungen löst sich das Zahnfleisch vom Zahn ab und es bildet sich eine Zahnfleischtasche. Mit einem geeigneten Messinstrument (Parodontalsonde) kann deren Tiefe ertastet werden. Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) werden daran gemessen, wie stark es bei Berührung blutet. Eine solche Entzündung entsteht durch Bakterien im Zahnbelag (Plaque). Eine Parodontitis, die sich aus einer Gingivitis entwickeln kann, tritt oft nur an einzelnen Stellen im Zahnbett der betroffenen Zähne auf und schreitet meist phasenweise voran. Deswegen ist eine regelmäßige und vollständige Untersuchung des Zahnbettes sehr wichtig!
In Deutschland gibt es leider immer noch eine recht hohe Abweichung zwischen dem Behandlungsbedarf für Zahnbetterkrankungen und der Anzahl der tatsächlich durchgeführten Behandlungen: Jeder dritte Erwachsene hat eine leichtere, jeder siebte eine schwerere Form der Parodontitis.
Wird eine Gingivitis frühzeitig erkannt, hat der Zahnarzt die Möglichkeit, mit relativ einfachen Behandlungsmethoden in kurzer Zeit eine Heilung herbeizuführen. Besteht bereits eine Parodontitis, ist auch hier eine Früherkennung wichtig, weil mit zunehmender Schwere der Erkrankung auch deren Behandlung schwieriger wird.
Ganz neu in Deutschland ist nun der Parodontale Screening Index (PSI) zur Früherkennung der Parodontitis. Dem Zahnarzt steht damit eine einfache Methode zur ersten Bewertung des Zahnfleischzustandes zur Verfügung. Der Index wurde in den USA entwickelt und ist auch in Europa bereits weit verbreitet: In den Niederlanden ist der PSI schon seit Jahren fester Bestandteil der zahnärztlichen Untersuchung. In Deutschland setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP) intensiv dafür ein, dass der PSI seinen Weg in alle Zahnarztpraxen findet und dort im Rahmen der Kontrolluntersuchungen angewendet wird. Die DGP möchte Sie daher mit diesem Ratgeber über die neue Früherkennungsmethode informieren.
Um das Zahnfleisch zu beurteilen, wird das Gebiss in sechs verschiedene Abschnitte eingeteilt (siehe Abbildung 2). Jeder einzelne Bereich wird Zahn für Zahn mit Hilfe einer speziellen Sonde (siehe Abbildung 3) untersucht. Der Zahnarzt beginnt im ersten Abschnitt mit dem letzten Zahn: Vorsichtig führt er die Sonde zwischen Zahn und Zahnfleisch ein und tastet behutsam um den gesamten Zahn. Dabei wird an bis zu sechs verschiedenen Stellen des Zahnes ein Befund über die Sondierungstiefe, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeiten an der Zahnoberfläche erhoben (siehe Abbildung 4). Die möglichen Befunde sind in den Codes 0 bis 4 zusammengefasst. Nur der höchste Wert pro Bereich wird notiert. Ist schon vor Sondierung aller Zähne eines Abschnitts an einer Stelle der Wert 4 festgestellt worden, wird dieser entsprechend notiert und sofort der nächste Bereich untersucht. Sie werden die Untersuchung kaum spüren, denn sie verläuft weitgehend schmerzfrei.
Code 0 bedeutet, dass das Zahnfleisch gesund ist. Code 1 und 2 weisen auf eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) hin. Code 3 und 4 zeigen, dass bereits flache (3) oder tiefe (4) Zahnfleischtaschen (Parodontitis) vorliegen.
Der Zahnarzt benötigt für die Untersuchung (das Screening) einige Minuten. Nach dieser kurzen Zeit hat er erste Informationen über Schwere und Behandlungsbedarf einer möglichen Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündung gewonnen.
Ist für alle Bereiche der Code 0 eingetragen worden, ist das Zahnfleisch gesund. Wurden ein- oder mehrmals Code 1 und/oder Code 2 notiert, ist das ein Hinweis auf eine Zahnfleischentzündung. Der Zahnarzt und sein Team werden mögliche Ablagerungen, wie Zahnbelag oder Zahnstein, entfernen und Anleitungen zur Verbesserung der Mundhygiene geben. Code 3 deutet darauf hin, dass eine mittelschwere Parodontitis vorliegt. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um eine genaue Diagnose zu erstellen. Code 4 zeigt das Vorliegen einer schwereren Parodontitis an. Eine genauere Untersuchung des gesamten Gebisses ist erforderlich. Auf Grund der Diagnosen können dann die entsprechenden Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. Wie bei den Codes 1 und 2 ist auch bei den Codes 3 und 4 die Verbesserung der Mundhygiene eine Voraussetzung für einen dauerhaften Behandlungserfolg. Mit Hilfe des neuen PSI ist es möglich, bereits frühe Formen von Zahnbetterkrankungen zu erfassen und sie einer zielgerichteten Behandlung zuzuführen. Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, sprechen Sie Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt an. Fragen Sie nach Ihrem PSI-Faktor!
Ab dem 1. Januar 2004 ist die Erhebung des PSI eine Kassenleistung. Allerdings nur einmal innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren. Ist eine häufigere Erhebung erforderlich, ist dies keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.