
Trotz starken Kariesrückgangs in Deutschland gibt es noch viel Handlungsbedarf - denn Parodontalerkrankungen haben erheblich zugenommen.
Über 70 % der Erwachsenen leiden unter Parodontalerkrankungen; ein Ergebnis der vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie, die das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) im Jahr 2005 durchführte. Dabei wurden 4.631 Bundesbürger aus vier Altersgruppen zum Zustand ihrer Zähne befragt und zahnmedizinisch untersucht. Als Fortsetzungsstudie zur dritten Deutschen Mundgesundheitsstudie zeigt sie die Entwicklung der Mundgesundheit in Deutschland seit 1997.
Intensive Prophylaxe und gute zahnärztliche Versorgung führten zu einem starken Kariesrückgang in Deutschland. Aber Zähne, die länger erhalten bleiben, zeigen ein erhöhtes Parodontitisrisiko. Insbesondere bei Erwachsenen und Senioren haben Parodontalerkrankungen, wie Gingivitis und Parodontitis, erheblich zugenommen. 52,7 % der Erwachsenen weisen mittelschwere und 20,5 % schwere Erkrankungen auf. Ein ähnliches Bild liefert die Prävalenz der Parodontalerkrankungen bei Senioren, hier sind 48 % von einer mittelschweren und 39,8 % von einer schweren Form betroffen.
Parodontalerkrankungen sind die häufigste Ursache für Zahnverlust bei Erwachsenen. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose von großer Bedeutung. Im Rahmen einer Basisuntersuchung werden unterschiedliche dentale Parameter, wie z.B. Plaque-Index, Blutungs-Index, Parodontaler Screening Index, erhoben. Der Parodontale Screening Index (PSI) liefert erste Informationen über den Schweregrad der Erkrankung und den Behandlungsbedarf. Daraufhin können gezielte Behandlungsstrategien, z.B. Kurzzeitanwendung von Antiseptika (alkoholfreie 0,2%ige Chlorhexidin-Lösung) erfolgen.
Zusätzliche Therapiemaßnahmen bei Gingivitis und Parodontitis können nur dann erfolgreich sein, wenn sichergestellt ist, dass Patienten eine optimale häusliche Mundhygiene durchführen. Hier gilt es, Patienten zu einer besseren Mitarbeit bei der Vorbeugung und Behandlung dieser Erkrankungen zu bewegen. Sie benötigen eine problemorientierte Lösung, die dem gereizten und entzündeten Zahnfleisch Rechnung trägt, zum anderen aber auch die tägliche Mundhygienegewohnheiten berücksichtigt und fördert, sprich eine Kombination aus Zahnpasta, Zahnbürste und Mundspül-Lösung, die sich optimal ergänzen. Besonders empfehlenswert für die Langzeitanwendung sind hier Produkte mit der Wirkstoffkombination Aminfluorid/Zinnfluorid. Ferner sollte eine tägliche Interdentalraumreinigung erfolgen. Neben der häuslichen Mundhygiene sollen Gingivitis- und Parodontitis-Patienten in ein umfassendes Recallsystem seitens der Zahnarztpraxis einbezogen werden, um Karies, Gingivitis und Reinfektion von Parodontaltaschen vorzubeugen.