Hier die wichtigsten Fragen an Diplom-Biochemikerin Bärbel Kiene und Kinderärztin Dr. Vanêssa de Moura Sieber von der elmex Forschung.

Abb.: Bärbel Kiene
Bärbel Kiene: Zahnpasten für Kinder im Alter bis zu sechs Jahren unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von Zahnpasten für ältere Kinder bis zwölf Jahre oder für Erwachsene. Neben einem kindgerechten Fluoridanteil haben Kinder-Zahnpasten einen milderen Geschmack, den die Kinder leichter akzeptieren. Herkömmliche Erwachsenen-Zahnpasten schmecken Kindern oft zu scharf. Allerdings sollten Kinder-Zahnpasten auch nicht zu süß sein, weil sie sonst zum Naschen und Herunterschlucken verleiten. Eine gute Kinder-Zahnpasta zeichnet sich deshalb durch einen milden, aber nur wenig süßen Geschmack aus; Zahnpasten mit Frucht- oder Bonbongeschmack sind nicht ratsam.


Abb.: Zahnpflege bei Kindern
Bärbel Kiene: Am wichtigsten ist die Fluoridkonzentration. Fluoride sind wichtig, weil sie vor Karies schützen. Allerdings sollte Kinder-Zahnpasta bis sechs Jahre einen geringeren Fluoridanteil haben als Erwachsenen-Zahnpasta. Denn kleine Kinder verschlucken oft große Teile der Zahnpasta, solange sie das Ausspucken noch nicht beherrschen. Zahnärzte empfehlen deshalb Kinder-Zahnpasten mit einem Fluoridgehalt von bis zu 500 ppm (0,05 Prozent).
Bärbel Kiene: Der Wechsel von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen ist der erste Zeitpunkt für einen Wechsel der Zahnpasta. Die neuen bleibenden Zähne, die ab etwa sechs Jahren in die Mundhöhle durchbrechen, brauchen in den ersten Jahren besonderen Schutz. Ihr Zahnschmelz ist noch nicht vollständig ausgehärtet. Dadurch sind sie anfälliger für Karies. Es gibt für die Zeit des Zahnwechsels deshalb eine spezielle Zahnpasta für Sechs- bis Zwölfjährige. Sie unterscheidet sich von Produkten für jüngere Kinder unter anderem durch ihren Fluoridgehalt von 1.400 ppm (0,14 Prozent), der bedeutend über jenem von Kinder-Zahnpasten liegt. Grund: Die hohe Fluoridkonzentration fördert den Prozess der Zahnaushärtung und macht die Zähne somit resistenter gegen Säureangriffe, die zu einem Mineralverlust und schließlich zu Karies führen können. Das bedeutet, man sollte je nach Alter des Kindes insgesamt drei Zahnpasten einsetzen: bis sechs Jahre Kinder-Zahnpasta, bis zwölf Jahre Junior-Zahnpasta und danach Erwachsenen-Zahnpasta.
Dr. de Moura Sieber: Bereits mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes sollten die Eltern bei ihren Kindern mit täglichem Zähneputzen beginnen – und zwar immer abends mit einer kleinen, höchstens erbsengroßen Menge Kinder-Zahnpasta. Ab dem zweiten Geburtstag beginnt das Kind mit den ersten eigenen Putzversuchen. Trotzdem müssen die Eltern nach wie vor das Zähneputzen ihres Kindes in die Hand nehmen und bis ins Schulalter die Zähne des Kindes nachputzen. Man sieht in den Drogeriemärkten zahlreiche Kinder-Zahnbürsten.
Dr. de Moura Sieber: Eine Kinder-Zahnbürste sollte einen kleinen, abgerundeten und somit kindgerechten Bürstenkopf haben. Das Bürstenfeld sollte plan sein und aus optimal abgerundeten Schon-Borsten bestehen, die das Zahnfleisch nicht verletzen. So werden die bei Kleinkindern besonders kariesgefährdeten Kauflächen gründlich und gleichzeitig schonend gereinigt. Eine kleine Markierung im Bürstenfeld kann dabei helfen, die Zahnpasta kindgerecht zu dosieren. Optimal ist, wie gesagt, eine erbsengroße Menge fluoridhaltiger Kinder-Zahnpasta. Der Griff der Kinder-Zahnbürste sollte ebenfalls kindgerecht sein, nämlich rutschfest und so geformt, dass das Kind die Zahnbürste leicht mit dem Faustgriff umfassen kann. Denn Kinderhände sind nicht nur kleiner als Erwachsenenhände; sie greifen und halten auch anders. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es spezielle Lern-Zahnbürsten, die diese Anforderungen erfüllen.
Dazu benötigt man eine geeignete Kinder-Zahnbürste: Der Bürstengriff sollte lang genug sein, damit die Eltern die Zähne ihres Kindes unterstützend mitputzen können. Eine kindgerechte und zugleich gut durchdachte Gestaltung spezieller Lern-Zahnbürsten kann dazu beitragen, die Kinder schon früh selbst zur zweimal täglichen Mundhygiene zu animieren. So gibt es zum Beispiel Zahnbürsten, auf denen Symbole wie Sonne, Mond und Sterne abgebildet sind: Die Sonne erinnert an das Zähneputzen am Morgen, Mond und Sterne ermuntern zum Bürsten am Abend. Lern-Zahnbürsten sind speziell für die jüngsten Verwender geeignet. Es ist nämlich wichtig, dass Mundhygiene bereits mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes beginnt. So weit die häusliche Mundhygiene.
Bärbel Kiene: Wie gesagt, Milchzahnpflege beginnt mit dem ersten Zahn. Bereits im Alter von 6 bis 7 Monaten brechen die unteren Schneidezähne durch. Das bedeutet: Dann sollten die Eltern beginnen, die Zähnchen des Kindes zu putzen. Das erste Beratungsgespräch beim Zahnarzt sollte nur kurze Zeit später stattfinden, also dann, wenn der Nachwuchs etwa neun Monate alt ist. Denn die Entwicklung des Kindergebisses vollzieht sich sehr schnell. Der frühzeitige Besuch beim Zahnarzt ist aus vielen Gründen wichtig. Der Zahnarzt begutachtet die schon vorhandenen Zähne. Er prüft, ob mit ihnen alles in Ordnung ist, und macht sich ein Bild von der gesamten Entwicklung des kindlichen Gebisses. So kann er beginnende Zahnschäden und Kariesrisiken frühzeitig erkennen und die Eltern mit geeigneten Konzepten für die Vorbeugung beraten. Der Zahnarzt erklärt, was bei der Pflege der Kinderzähne zu beachten ist. Er zeigt den Eltern, wie sie die Milchzähne sachgerecht putzen. Außerdem berät er sie in Sachen Ernährung. Denn neben der gründlichen Zahnpflege spielt die Nahrung – und mit ihr die Art und Weise der Nahrungsaufnahme – eine entscheidende Rolle. Nach dem ersten Beratungsgespräch ist es sinnvoll, etwa alle sechs Monate den Zahnarzt aufzusuchen.
Dr. de Moura Sieber: Auf jeden Fall sollte das Kind selten Süßigkeiten zu essen bekommen. Aber auch der übermäßige Genuss fruchtsäurehaltiger Getränke wie Limonade und Eistee kann dem Milchgebiss schaden. Darüber hinaus sollte das Kind schon ab dem 10. Lebensmonat lernen, aus Tasse oder Becher zu trinken, da häufiges Nuckeln die Milchzähne zerstören kann. Schon vor dem ersten Geburtstag sollten die Eltern ihr Kind von der Nuckelflasche entwöhnen.
Nachdem die unteren Milchschneidezähne durchgebrochen sind, folgen sehr rasch alle weiteren Frontzähne. Ist das Kind zwölf Monate alt, sind in der Regel acht Zähne vorhanden. Im Alter von 2 bis 2 ½ Jahren sind fast immer alle Milchzähne sichtbar; das Milchgebiss ist komplett. Im Alter von 5 bis 6 Jahren beginnt dann die Weiterentwicklung zum bleibenden Gebiss, aber nicht – wie viele Eltern annehmen – mit dem Wechsel der Frontzähne. Oft brechen nämlich schon etwas früher – im Vorschulalter – die ersten Molaren oder Backenzähne in die Mundhöhle durch. Sie liegen ganz am Ende der Zahnreihen und werden deshalb oft übersehen. Kurz danach fallen die ersten Milchschneidezähne aus und werden durch ihre bleibenden Nachfolger ersetzt. Ungefähr im 12. bis 14. Lebensjahr hat der Nachwuchs auch den letzten Milchzahn verloren, und alle neuen, bleibenden Backenzähne sind durchgebrochen. Damit ist das bleibende Gebiss – bis auf die Weisheitszähne – komplett.

Abb.: Zahndurchbruch